Zentrum für Entrepreneurship

Fokus Wirtschaft mit Ralf Dümmel: 'Mein Unternehmen Zukunft - Wie viel Mut braucht Selbstständigkeit?'

18.10.2017

Dorina Bausch vom Zentrum für Entrepreneurship der Uni Kiel war live dabei:

Am 10. Oktober 2017 lud die IHK zu Lübeck zu einem Diskussionsabend der Reihe 'FOKUS Wirtschaft' nach Braak bei Ahrensburg ein. Der Abend stand unter dem Motto 'Mein Unternehmen Zukunft - Wie viel Mut braucht Selbstständigkeit'. 

Zu den geladenen Gästen zählte neben Ralf Dümmel, bekannt als Investor aus der VOX TV-Show 'Die Höhle der Löwen' und Geschäftsführer der DS Produkte GmbH auch Dr. Inez Linke, Managing Director der oceanBASIS GmbH sowie Dr. Anke Rasmus, Leiterin des Zentrums für Entrepreneuership der Uni Kiel und Vorsitzende des Vereins StartUp Schleswig-Holstein e.V. 

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v.l.n.r.: Dr. Anke Rasmus, Dr. Arno Probst, Prof. Dr. Thomas Straubhaar, Ralf Dümmel

Foto Copyright: Olaf Malzahn

 

Bereits in der Vorstellungsrunde zeigte sich die Vielfalt, die das Thema 'Selbstständigkeit' in Deutschland zu bieten hat. Einhellige Meinung der anwesenden Podiumsgäste: Unternehmertum ist ein in der Öffentlichkeit oftmals noch zu wenig präsentes Thema. Das müsse sich ändern, wenn mehr junge Leute für die eigene Selbständigkeit begeistert werden sollen.
Entsprechend stellten der Wirtschaftswissenschaftler und ehemalige Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts, Prof. Dr. Thomas Straubhaar, und IHK-Vicepräses Dr. Arno Probst den Gästen ihre Fragen:

„Braucht Selbstständigkeit Mut?“

Die Gründung eines Unternehmens verlangt von Gründerinnen und Gründern vielfältige Fähigkeiten. Vor allem aber, so Ralf Dümmel, „müsse man für sein Produkt, seine Idee, sein Unternehmen brennen“. Oftmals braucht es erst ein Schlüsselerlebnis, das einem bewusst macht, wie reizvoll Selbstständigkeit und Unternehmertum für einen selbst sein können. Für Ralf Dümmel kam diese Erkenntnis auch erst später. Zunächst war er beispielsweise als Vertriebsmitarbeiter bei Möbel Kraft tätig und lernte dort das Geschäft bevor seine Unternehmerkarriere bei der DS Produkte GmbH begann.

Woran erkenne ich, dass ich ein guter Unternehmer wäre?

Aus den Antworten der Podiumsgäste wurde deutlich, dass es nicht den perfekten Gründer oder die Gründerin gibt. Aber es gibt wiederkehrende Situationen, welcher sich Unternehmer/innen im Laufe der Zeit gegenüber sehen. Eine hohe Lernbereitschaft ist beispielsweise äußerst hilfreich. Selten läuft eine Gründung von Anfang an perfekt. Scheitern ist nicht das Ende. Wichtig ist, aus seinen Fehlern zu lernen. Dazu gehört natürlich auch eine große Portion Ehrgeiz, Fleiß und vor allem auch die Bereitschaft zu verzichten. „Wenn es brennt,“ so Ralf Dümmel, „muss man jederzeit erreichbar sein und das auch wollen.“ Es kommt nicht darauf an, 24/7 an seinem Projekt zu arbeiten. Aber wenn Probleme auftreten, muss man als Unternehmer bereit sein, auch mal Nachtschichten einzulegen oder auf einen Urlaub zu verzichten.  
Oft unterschätzt wird auch das Netzwerken. Ideen können sich erst dann entwickeln, wenn darüber gesprochen wird. Neuer Input hilft bei der Problemlösung und durch Gespräche entstehen neue Kontakte und Ideen. 

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Foto Copyright: Olaf Malzahn

 

Können nur Akademiker gründen? 

Nein! Da waren sich die Podiumsgäste einig. Wissenschaftler/innen haben es im Gegenteil oft nicht ganz leicht aus einer sehr theoretischen und wissenschaftlichen Welt heraus, ein wirtschaftlich funktionierendes Unternehmen ohne entsprechende Kenntnisse zu gründen. So sah sich auch Inez Linke mit immer neuen Herausforderungen eines erfolgreichen Unternehmensaufbaus konfrontiert. Unterstützend kann hier eine Fortbildung sein, in der handfeste Tipps vermittelt werden. 

Muss man spitzen Noten haben, um erfolgreich zu gründen?

Die Moderatoren stellten hier die These auf, dass es in Anbetracht der heutigen Zeit, immer schwieriger zu sein scheint, ohne Schulabschluss und Studium an entsprechendes Wissen zu kommen, das einem bei der Gründung eines Unternehmens hilft. Ralf Dümmel, der nach der Hauptschule noch den Realschulabschluss gemacht hat, resümierte jedoch: „Solange der Wille und der Ehrgeiz da sind, für seine Idee und sein Unternehmer zu kämpfen, ist die schulische Bildung zweitrangig.“ Insbesondere an dieser Stelle, muss mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden. So schlug Anke Rasmus vor, dass neben den aktuellen Gründungsprojekten, die erfolgreich aber bisher nur vereinzelt an Schulen laufen, auch Konzepte entwickelt werden müssen, die langfristige dafür sorgen, dass das Thema Unternehmertum in die Schulen gelangt, um jungen Menschen die 'Option Gründung' mehr ins Bewusstsein zu rufen. 

Ich habe keine Unternehmer in meiner Familie, wäre eine Gründung trotzdem was für mich? 

Laut schallte es vom Podium: Absolut. Wer eine Idee hat, kann auch gründen! Sicherlich erscheint es leichter, wenn die Eltern oder Familienmitglieder bereits gegründet haben und so ihre Erfahrungen weitergeben können. Aber Letztendlich liegt der Gründungserfolg auch stets in der Person selbst. Dabei kommt es auch nicht auf das Alter an: Es ist nie zu spät für eine Gründung!

Womit muss ich während einer Selbstständigkeit rechnen?

Es gibt sowohl gute als auch schlechte Phasen einer Selbstständigkeit wissen Inez Linke und Ralf Dümmel zu berichten. In Hochphasen ist es wichtig, nicht die Bodenhaftung zu verlieren und klar sein Ziel vor Augen zu behalten. In Downphasen darf man nicht den Glauben an sich selbst verlieren. Es gibt keinen geradlinigen Weg zum Ziel, und Scheitern muss nicht immer das Ende bedeuten. 

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v.l.n.r.: Dr. Anke Rasmus, Dr. Arno Probst, Ralf Dümmel

Foto Copyright: Olaf Malzahn

 

Wer hilft mir in schwierigen Phasen?

„Am besten ist es, eine Ansprechperson oder eine/n Geschäftspartner/in an seiner Seite zu haben, welche unterstützend beiseite steht“, rät Inez Linke. „Sich zu besprechen; Sorgen und Wünsche oder auch Ängste zu teilen, kann enorm hilfreich sein.“ In solchen Momenten kann auch ein Vorbild sehr nützlich sein. Wie würde das Vorbild in solchen Situationen reagieren - gab es eventuell bereits vergleichbare Situationen? Sich auszutauschen und Kontakt zu Gleichgesinnten zu halten, kann in schwierigen Phasen absolut konstruktiv sein.

An wen kann ich mich mit meiner Gründungsidee wenden? 

Es gibt inzwischen eine ganze Reihe von Anlaufstellen für Gründungsinteressierte. „Für Außenstehende ist das manchmal nicht einfach zu durchschauen“, so die Moderatoren. „Neben Kapital und öffentlichen Fördermitteln, ist es zunächst für Gründungsinteressierten wichtig, über die Idee oder das Produkt zu sprechen“, erklärte Anke Rasmus. Netzwerke wie der Kieler Salon oder Institutionen wie die WTSH oder die einzelnen Wirtschaftsförderungen, sowie die IHKs helfen ebenso wie beispielsweise die Anlaufstellen an den Hochschulen wie die VentureWerft in Flensburg, der Gründercube in Lübeck oder eben das Zentrum für Entrepreneurship der Uni Kiel.

Was könnte den Einstieg in die Thematik Gründung / Startups / Unternehmertum erleichtern? 

Mein persönliches Fazit: Ganz klar: Barrieren müssen abgebaut werden. In Deutschland scheint das Bild eines Unternehmers noch traditionell, angestaubt und eher negativ belegt. Ebenso innerliche und äußerliche Strukturen fallen im Vergleich zu anderen Ländern zurück. Ein wichtiges Thema ist in diesem Zusammenhang auch das Thema 'Gründung und Familie' - passt das unter einen Hut? 
Zudem stellen sich Startups und junge Unternehmer immer wieder die Frage, wo sie einen regen Austausch mit Gleichgesinnten finden können - einen Ort, an dem konstruktiv an Problemen gearbeitet und zugleich ein kreativer Input gefördert werden kann. 

Hier haben wir eine gute Nachricht für Euch: Im nächsten Jahr wird an der Uni Kiel der ZfE-Inkubator, also ein Ort an dem Gründungsinteressierte zusammenfinden und arbeiten können, eröffnet.


Und ja, Selbstständigkeit erfordert eine große Portion Mut! Von allen Beteiligten!