Zentrum für Entrepreneurship

Schleswig-Holstein braucht Gründerinnen! „Erkennen, wofür man brennt und dann machen!“

15.04.2018

Erkennen, wofür man brennt und dann machen! 

„Schleswig-Holstein braucht Gründerinnen!“ heißt die Veranstaltungsreihe, die am Montag, den 09. April 2018 eröffnet wurde. Das Zentrum für Entrepreneurship (ZfE) der Christian-Albrechts-Universität Kiel (CAU) und die Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH) widmen sich das ganze Semester über diesem spannenden Thema. Zum Start der Reihe verfolgten über 70 Personen die Auftaktveranstaltung mit dem Titel „Fehlen Schleswig-Holstein Gründerinnen?”. Zur Podiumsdiskussion geladen waren Vertreter/innen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik.

Gleich zu Beginn des Abends herrschte ein reger Austausch bei Canapés und Getränken im Foyer des Wissenschaftszentrums in Kiel. Das Get-together war der perfekte Start für alle, sich untereinander besser kennenzulernen und die ersten Gedanken auszutauschen. Die von allen genutzten, selbst gemachten, Namensschilder lockerten die Atmosphäre auf und erleichterten die Kontaktsuche.

Prof. Dr. Schwarz

Danach verlagerte sich das Geschehen in den großen Konferenzraum. Dort wurden die Gäste von der NDR-Moderatorin Eva Diederich schwungvoll durch den Abend geführt. Nach den ersten einleitenden Worten der Vizepräsidentin der CAU, Prof. Dr. Karin Schwarz, folgte ein flammender Appell für Gründungen durch Frauen von Herrn Westermann-Lammers, dem Vorsitzenden des Vorstands der IB.SH. Danach fesselte der Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz das versammelte Auditorium mit seiner lebhaften Rede für Unternehmertum. Er reklamierte, dass ein Anteil von 7,3% an Unternehmerinnen in Schleswig-Holstein nicht bereits automatisch Erfolg bedeutet, nur weil viele andere Bundesländer noch weniger Unternehmerinnen haben. 

Wirtschaftsminister Buchholz

Anschließend folgte eine offene Diskussionsrunde, bei der neben den bereits genannten Persönlichkeiten zusätzliche Fachkompetenz durch Dr. Inez Linke (Gründerin und Gewinnerin des IB.SH Gründerinnenpreises 2017) und Dr. Anke Rasmus (Leiterin des Zentrums für Entrepreneurship CAU Kiel, Vereinsvorstand StartUp SH) und auf dem Podium vertreten war. Die geballte Lust und Kraft der Podiumsteilnehmer das Thema dynamisch anzugehen, zeigte sich direkt dadurch, dass niemand träge sitzen wollte, sondern alle lieber stehend diskutierten. So entstand eine lebhafte Diskussion, bei der viele verschiedene Meinungen ausgetauscht und Thesen entwickelt wurden, wie es um das Gründerinnenland Schleswig-Holstein steht. 

Einig waren sich die Podiumsteilnehmer darüber, dass Gründerinnen, aber auch Gründer Vorbilder brauchen. Dr. Anke Rasmus, verwies auf den im Sommer letzten Jahres gegründeten Verein StartUp SH, der sich u.a. zum Ziel gesetzt hat, dem Thema Gründen mehr Öffentlichkeit zu geben, damit sich eben nicht Frauen oder Männer als Exoten sehen, wenn sie diesen Weg für sich wählen.

Einigkeit bestand auch darüber, dass Gründung keine Frage des Geschlechtes sein darf. Wir brauchen in Schleswig-Holstein mehr Unternehmensgründungen, egal von welchem Geschlecht. Wirtschaftsminister Buchholz forderte ein gesellschaftliches Umdenken im Bereich Gründung. Auch ein Scheitern sollte erlaubt sein und einem nicht als Makel immer vorgehalten werden. Zudem solle eine Gewinnorientierung bei der Unternehmensgründung nicht verwerflich sein, da sie oft genug für vielerlei Aktivitäten Antrieb ist, auch für das Hervorbringen von Innovationen. 
Frau Prof. Schwarz sprach ihre eigene unternehmerische Karriere und den holprigen Unternehmensstart im universitären Umfeld an. Heute pflegen Hochschulen jedoch bereits einen vertrauteren Umgang mit dem Thema, was nicht zu Letzt auch den vielen Gründungslehrstühlen und Gründerzentren, welche an fast jeder Hochschule zu finden sind, geschuldet ist. 

Eva Diederich moderierte den Abend kenntnisreich und unterhaltsam. Sie hakte oft nach. Phrasen waren nicht gefragt. Denn nur konkrete Beispiele, Thesen und Ideen bringen das fachkundige Publikum weiter. Vor allem auch die Gründerin Dr. Inez Linke überzeugte in der Diskussion durch ihre Gründungsgeschichte und die Erkenntnisse daraus. Man müsse das Thema Gründung bereits in der Schule ansprechen und dabei zeigen, dass es Spaß macht. Diesem Wunsch schlossen sich alle an. Dr. Anke Rasmus ging noch einen Schritt weiter und forderte, dass bereits in der Lehrerausbildung unternehmerische Themen aufgenommen werden müssen, um später an Schulen eine gewisse Anschlussfähigkeit an Gründungsprojekten zu haben.

v.l.n.r. Dr. Anke Rasmus, Dr. Erk Westermann-Lammers, Prof. Dr. Karin Schwarz, Dr. Inez Linke, Dr. Bernd Buchholz, Eva Diederich

v.l.n.r. Dr. Anke Rasmus, Erk Westermann-Lammers, Prof. Dr. Karin Schwarz, Dr. Inez Linke, Dr. Bernd Buchholz, Eva Diederich

(Quelle: ZfE)

Erk Westermann-Lammers mahnte die Politik, nicht so viele bürokratische Hürden auf Gründerinnen und Gründer zu übertragen. Das würde die Menschen vom Gründen abhalten. Zudem gab er den Studentinnen einen Rat. Sie schreiben zwar oft die besseren Noten, würden sich jedoch auch in Bezug auf das spätere Berufsleben viel weniger vernetzen als ihre männlichen Kommilitonen.  Minister Buchholz, der übrigens an der CAU am Institut für m Institut für Umweltschutz-, Wirtschafts- und Steuerstrafrecht promoviert hat, berichtete von seiner Zeit als Vorstand beim Verlagshaus Gruner und Jahr und seinen Erfahrungen Kolleginnen. Sein Tenor, Familie und Karriere schließen sich nicht aus. Sie müssen Hand in Hand gehen!

Es folgte ein Aufruf von Dr. Inez Linke an das gründungsaffine Publikum. Man solle erkennen, wofür man brennt. Überlegen, was man wirklich machen will? Und dann machen! Einfach machen. Dem schließen wir uns an! Wir finden, das war ein toller Auftakt und bedanken uns bei allen Beteiligten, insbesondere auch den Förderlotsen der IB.SH, die mit uns gemeinsam diese Veranstaltung organisieren.


Weiter geht es am Montag, den 07. Mai 2018 im Audimax A, der Uni Kiel mit dem Thema „Karriereziel – Eigene Chefin?“. Hierzu haben wir wieder spannende Persönlichkeiten eingeladen, die von ihren Erfahrungen mit der beruflichen Selbstständigkeit berichten werden.